Agent Storm. Sachbuch.
Morten Storm und Paul Cruickshank, Riva Verlag 2015

Agent Storm

Storm wuchs in einem dänischen "Problemviertel" auf, kam früh in Konflikt mit der Schule, schloss sich der Rockerbande Bandidos an. Und dann entdeckte er den Koran, wurde zum Konvertiten, studierte ihn in einer radikalen salafistischen Koranschule. Wie so viele junge Salafisten verachtete er bald die konservativen Imane, die zwar radikal predigten, aber nichts taten.
Er schloss sich Al Quaida im Jemen an, lernte die Creme der dortigen Terroristen kennen - darunter den Schuhbomber und andere, die später berühmt wurden - und befreundete sich mit Anwar al-Awlaki, einem Amerikanischen Hassprediger, der den Djihad nicht nur predigte, sondern auch organisierte.
Doch dann kam die Ernüchterung. Er entdeckte, dass diese angeblich wörtliche Befolgung des Korans ebenfalls auf Interpretation beruhte, dass zahlreiche Fatwas geschrieben wurden, nur um die Aktionen der Salafisten zu rechtfertigen. Und fragte sich, ob das sein Leben sein sollte.
So arbeitete er mit dem dänischen Geheimdienst zusammen, die natürlich über diesen Insider froh waren. Auch der englische und amerikanische Geheimdienst bekundeten bald Interesse und setzten ihn für ihre Pläne und Aktionen ein.
Doch auch hier wurde er nicht glücklich. Das Doppelleben zerrte an den Nerven, belastete sein Familienleben und auch die Welt der Geheimdienste ist nicht so berückend. So sagte er auch dort Ade und veröffentlichte eine Serie von Zeitungsartikeln, aus denen dieses Buch entstand.
Natürlich muss man bei Berichten von Agenten immer vorsichtig sein. Doch die Ereignisse sind gut dokumentiert, zahlreiche Fußnoten belegen seine Erzählungen.
Das wichtigste ist aber die Innenansicht aus der Salafistenszene. Welche Gedankenwelt diese prägen, warum junge Männer ihr Leben für den Terror geben wollen. Und wer denn diese Terrorpaten sind, die sie zum Djihad verführen.
Auffällig, wie sehr sie durch den Westen, den sie angeblich so hassen, geprägt sind. Al Awlaki ist Anhänger der radikalen Frauenverschleierung, Frauen dürfen ohne ihren Ehemann gar nichts. Gleichzeitig wünscht er sich sehnlichst eine westliche Ehefrau, weil die arabischen Frauen ihm nicht "sexy" genug sind. Etwas, das auch die Gedankenwelt anderer Topterroristen bevölkert. Anna Erelle berichtet ähnliches in ihrem Buch [[ASIN:3426276712 Undercover-Dschihadistin: Wie ich das Rekrutierungsnetzwerk des Islamischen Staats ausspionierte]].
Auch über die Arbeit der Geheimdienste berichtet er, ihre Eifersüchteleien, wie sie Agenten verheizen und sich lange Aufenthalte in Luxushotels und Sexbars auf Staatskosten genehmigen.
So entstand ein Buch, das sich wie ein Thriller liest und viel über das Innenleben und die Gedankenwelt der Salafisten enthüllt.
Einziges Manko: Die Printausgabe ist sehr, sehr klein gedruckt, was das Lesen bei schlechtem Licht erschwert.

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